Systemisches Coaching

„Systemisches Coaching“ - Versuch einer Definition

Systemisches Coaching ist eine prozessorientierte Begleitung, bei der der Coach einen Reflexions-Rahmen zur Verfügung stellt, in dem Kunden ihre für sich passende, nützliche und hilfreiche Lösungen entwickeln können. Nützlich und hilfreich ist alles, was aus Kundensicht tragfähigere Denk, Fühl- und Handlungsmuster ermöglicht und damit die Handlungs- und Wahlmöglichkeiten erhöht. Dabei findet Coaching stets in einem partnerschaftlichen, vertrauensvollen Dialog unter Experten statt: Der Kunde ist Experte für seine Inhalte und Lösungen und der Coach ist Experte für die Steuerung und Gestaltung des Prozesses.

Oder kürzer formuliert:

Coaching ist eine ziel- und lösungsorientierte Reflexionshilfe und dient dazu, die Lösungsorientierung zu fördern sowie die Wahl- und Handlungsmöglichkeiten von Menschen zu erweitern. Die Aufgabe des Coaches ist, einen Rahmen zu gestalten, in dem Kunden “lösungsreif(er)” werden.

 

Systemische Grundhaltung

Grundlage systemischer Ansätze bildet ein Menschenbild, das durch Respekt vor der Autonomie des Individuums und Wertschätzung gegenüber einzelnen Personen und Systemen geprägt ist. Systemische Ansätze unterstützen Wachstum und Reifung auf persönlichen wie sozialen Ebenen. Dabei ist die Grundhaltung Systemischer Coaches gekennzeichnet durch Achtung, Respekt und Wertschätzung gegenüber einzelnen Personen und Systemen.

Merkmale systematisch arbeitender Coaches
Die im folgenden ausgewählten Merkmale systematisch arbeitender Coaches haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder “Richtigkeit”, es soll vielmehr angehenden Coaches eine erste Orientierung vermitteln, welche Aspekte im Systemischen Coaching grundsätzlich wichtig sind:

Positive Beziehung gestalten
Der Systemische Coach baut zum Kunden stets eine positive, vertrauensvolle, partnerschaftliche und wertschätzende Beziehung auf Augenhöhe.

Lösungen entwickelt der Kunde
Der Systemische Coach gibt keine Lösungen vor und hält sich mit seinen stets subjektiv und biographisch geprägten Bewertungen zurück. Vielmehr unterstützt er Kunden dabei, dass sie selbst für sich passende und nützliche Lösungen entwickeln.

Wahl- und Handlungsmöglichkeiten erweitern
Der Systemische Coach gestaltet einen Rahmen, in dem es Kunden möglich ist, neue Perspektiven einzunehmen, neue Denk, Fühl- und Handlungsmuster zu etablieren und damit die Wahl- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und die eigene Persönlichkeit (weiter-)zu entwickeln. Dabei werden eigene Prämissen zurückgehalten und einer ständigen Reflexion unterzogen.

Ressourcen und Kompetenzen fokussieren
Der Systemische Coach nimmt seinen Kunden stets in seinen Potentialen, Ressourcen und Kompetenzen wahr und fokussiert auf Ziele in der Zukunft. Eine linear-kausale Betrachtung im Sinne einer Analyse von Ursachen und Wirkungen erfolgt nicht. Dadurch entfällt der Blick auf Probleme, Hindernisse und Defizitäres. Das Motto lautet vielmehr: “Erwischen beim Gutmachen!”

Kunde ist Experte
Kunden werden als komptent und autonom betrachtet und damit voll und ganz als Experten für ihre Lebensgestaltung angesehen. Der Coach unterstützt den Kunden dabei, in dem er Anregungen und Impulse setzt, welche die “Lösungsreife” des Kunden fördern. Welche Lösungen der Kunde letztlich für sich als hilfreich und nützlich bewertet bleibt in der Verantwortung des Kunden. Damit ist der Kunde stets Experte für seine Inhalte und Lösungen während der Coach für die Prozessgestaltung und –steuerung verantwortlich ist. Hier drückt sich sehr deutlich das Prinzip der Partnerschaftichkeit und der Augenhöhe aus.

Kunden sind eingebunden in einem sozialen System
Systemische Coaches betrachten ihren Kunden nicht isoliert als Person, sondern stets eingebunden in sein gesamtes soziales System. Sie denken sozusagen „zirkulär“, d.h. alles hat wechselseitig aufeinander Einfluss und es gibt keine eindeutigen „Ursachen“ oder gar „Schuldige“ gemäß dem linear-kausalen Ursache-Wirkungs-Modell, sondern lediglich Beteiligungen von unterschiedlicher Art und unterschiedlichem Ausmaß.

Kritische Selbstreflexion und regelmäßige Supervision
Systemische Coaches sind sich bewusst, dass ihr Handeln und Verhalten von ihren eigenen Normen und Werten geprägt ist. Sie reflektieren diese, um die Gefahr zu verringern, diese dem Gegenüber in ihrer Arbeit aufzudrängen. Darüber hinaus verpflichten sich Systemische Coaches sich im Interesse der Erhaltung und Weiterentwicklung einer entsprechenden fachlichen Kompetenz zu kritischer Selbstreflexion, zu regelmäßiger Reflexion der eigenen Tätigkeit im Rahmen von Supervision sowie zu regelmäßiger Fortbildung.

Daraus ergibt sich folgender Verhaltenscodex für systemisch arbeitende Coaches:

  • Systemische Coaches vermitteln dem Klienten und dessen Situation gegenüber Respekt und Wertschätzung.
  • Systemische Coaches hören sehr gut (aktiv) zu.
  • Systemische Coaches halten eigene, subjektiv geprägte Bewertungen  zurück und vermeiden Ratschläge.
  • Systemische Coaches fokussieren stärker auf Ressourcen und Lösungen und weniger auf Defizite und Probleme.
  • Systemische Coaches stellen kreative, perspektivwechselnde Fragen, die zum Nachdenken anregen und den Kunden idealerweise „lösungsreif(er)“ machen.

Die Entscheidung als Coach professionell tätig zu sein, ist immer auch die klare Entscheidung, bereit zu sein an sich selbst zu arbeiten und sich stets persönlich weiter zu entwickeln.